Allgemein

Mit dem Reisemobil einfach am Straßenrand campen?

today19. März 2021 5 1

Hintergrund
share close

er Campingurlaub boomt seit Jahren, die Corona-Pandemie beflügelte diesen Trend noch zusätzlich: Ferien in den eigenen rollenden vier Wänden bietet Schutz vor Infektionen und ist gleichzeitig flexibel. Trotzdem dürfen die Campingplätze derzeit nicht für Tagesgäste öffnen (Corona-Regeln für Reisende). Wer einen Campingausflug plant, muss sich also um einen anderweitigen Stellplatz für die Nacht kümmern. Aber was ist eigentlich erlaubt? Darf ich mich mit dem Camper einfach an jede schöne Ecke stellen und den Urlaub genießen? Ganz so einfach ist es leider nicht. Wer mit einem Wohnmobil verbotswidrig campt, zahlt in Deutschland bis zu 200 Euro Bußgeld. In einem Landschaftsschutzgebiet sind bis zu 1500 Euro fällig, im Naturschutzgebiet sogar bis zu 2500 Euro Strafe. Aber nicht jeder, der irgendwo anhält, campt auch automatisch – sonst dürfte ein Wohnmobil nicht mal auf einem Parkplatz stehen.

Wo darf ein Wohnmobil grundsätzlich parken?

Mit einem Auto ist meistens klar erkennbar, wo es abgestellt werden darf und wo nicht – auch wenn sich nicht jeder daran hält. Bei Wohnmobilen ist es komplizierter: ▶︎ Ist ein Parkplatz nur für Pkw ausgewiesen, dann ist er für Camper, die als „So. Kfz Wohnmobil“ (sonstiges Kfz) oder Lkw zugelassen sind, tabu – egal, wie schwer sie sind. ▶︎ Parkverbot gilt natürlich auch dann, wenn ein Zusatzschild Wohnmobile auf einem Parkplatz  explizit ausschließt. ▶︎ Dort, wo das Parken grundsätzlich erlaubt ist, können Ihnen aber die Begrenzungsstreifen der Parkbuchten buchstäblich noch einen Strich durch die Rechnung machen. Passt das Wohnmobil nicht in die Lücke, darf es dort auch nicht parken.
▶︎ Aufpassen muss man auch, wo das Parken auf dem Gehweg erlaubt ist: Diese Ausnahme gilt grundsätzlich nur für Fahrzeuge bis 2,8 Tonnen – und fast alle Wohnmobile sind schwerer! Das Gewicht des Fahrzeugs steht im Fahrzeugschein (offiziell Zulassungsbescheinigung Teil I). ▶︎ Außerdem dürfen dabei keine Schacht- oder Gullydeckel oder sonstigen Verschlüsse blockiert werden. ▶︎ Und: Haben Sie ein besonders schweres Wohnmobil (über 7,5 Tonnen), dann dürfen Sie innerhalb geschlossener Ortschaften in Wohngebieten und Erholungsgebieten von 22 bis 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nicht parken – es sei denn, es ist ausdrücklich genehmigt. Achtung! Diese Regeln gelten nur für Deutschland. Wer im Ausland unterwegs ist, der sollte sich vorher genau mit den örtlichen Regelungen vertraut machen. In manchen Ländern (wie z.B. Griechenland und Kroatien) dürfen Camper überhaupt nicht auf der Straße, sondern nur auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden.

Übernachten auf öffentlichen Parkplätzen ist verboten

Parken ist das eine – aber die Nacht auf dem jeweiligen Stellplatz zu verbringen ist das andere. Das Übernachten im Fahrzeug auf öffentlichen Parkplätzen ist in Deutschland grundsätzlich verboten (lesen Sie die ausführlichen Regeln: Wo darf der Camper stehen?). Derzeit sind die Campingplätze dicht. Normalerweise helfen Internetangebote oder Apps dabei, geeignete Stellplätze zu finden. Empfehlenswerte Angebote sind unter anderem: • ADAC Stellplatzführer: Gibt’s in Buchform oder als App, ist allerdings kostenpflichtig. • Homecamper: Hier bieten Privatleute Stellplätze für Camper an. • Camping.info: Große Stellplatz-Sammlung für Europa.

Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit

Eine Ausnahme sieht die StVO vor: Wer im äußersten Notfall in seinem Camper übernachtet, darf das. Denn schlimmer als ein illegal abgestelltes Fahrzeug mit schlafenden Menschen sind völlig übermüdete Fahrer mit tonnenschweren Gefährten auf der verzweifelten Suche nach einem erlaubten Übernachtungsplatz. Das Stichwort heißt „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit„. Der Gesetzgeber gibt damit übermüdeten Fahrern die Möglichkeit, ihre Kräfte wieder aufzufrischen. Das ist in der Regel nach maximal zehn Stunden Ruhepause der Fall, sprich: Wer zu müde ist, um weiterzufahren, der darf offiziell eine Nacht im Wohnmobil oder Wohnwagen auf einem Parkplatz verbringen. Aber Vorsicht: Wer es sich dabei allzu gemütlich macht, die Markise des Fahrzeugs ausfährt, die Klappstühle rausstellt und vielleicht sogar noch den Grill anwirft, darf nicht auf Rücksicht hoffen, wenn er kontrolliert wird!

Quelle: AutoBild  Autoren: Michael Gebhardt, Raphael Schuderer Fotos: Markus Leser / AUTO BILD

Geschrieben von: jolo

Rate it

Vorheriger Beitrag

Allgemein

Camping-Tipp: Oberpinzgau – für Gipfelstürmer und Genießer

Das Herz des Nationalparks Hohe Tauern schlägt im Salzburger Oberpinzgau. Ein Camping-Trip führt Urlauber in die schönsten Sackgassen Österreichs. Mit dem ersten Kaffee des Tages stehen die CamperInnen vor ihrem Wohnwagen, saugen die frische Bergluft ein und lassen ihren Blick über die Berggipfel wandern, wo gerade die Sonne aufgeht. Ein kurzes Frühstück und dann geht es zu Fuß oder mit dem Rad auf Entdeckungstour. Das Oberpinzgau im Nationalpark Hohe Tauern ist […]

today15. März 2021 3

0%